Dichters Genesung (op.36-5)

Und wieder hatt ich der Schönsten gedacht,
die nur in Träumen bisher ich gesehen;
es trieb mich hinaus in die lichte Nacht,
durch stille Gründe mußt ich gehen.

Da auf einmal glänzte das Tal,
schaurig als wär es ein Geistersaal.
Da rauschten zusammen zur Tanzmelodei
der Strom und die Winde mit Klingen und Zischen,
da weht' es im flüchtigen Zuge herbei
aus Felsen und Tale, aus Wellen und Büschen,
und im Mondesglanz, ein weißer Kranz,
tanzten die Elfen den Reigentanz.


Und mitten im Kreis ein luftiges Weib,
die Königin war es, ich hörte sie singen:
"Laß ab von dem schweren irdischen Leib,
laß ab von den törichten irdischen Dingen!

Nur im Mondenschein ist Leben allein!
Nur im Träumen zu schweben, ein ewiges Sein!
Ich bin's, die in Träumen du oft gesehn,
ich bin's, die als Liebchen du oft besungen,
ich bin es, die Elfenkönigin, du wolltest mich schauen, es ist dir gelungen.

Nun sollst du mein auf ewig sein,
komm mit, komm mit in den Elfenreihn!"


Schon zogen, schon flogen sie all um mich her,
da wehte der Morgen, da bin ich genesen.

Fahr wohl nun, du Elfenkönigin,
jetzt will ein andres Lieb ich mir erlesen;
ohn Trug und Schein, und von Herzen rein
wird wohl auch für mich eins zu finden sein.


Die beiden Grenadiere (op.49-1)

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier',
Die waren in Rußland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie ließen die Köpfe hangen.

Da hörten sie beide die traurige Mär':
Daß Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und geschlagen das tapfere Herr_
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen!

Da weinten zusammen die Gernadier'
Wohl ob der kläglichen Kunde.
Der eine aprach: "Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!"

Der andere sprach: "Das Lied ist aus,
Auch ich möcht' mit dir sterben,
Doch hab' ich Weib und Kind zu Haus,
Die ohne mich verderben."

"Was schert mich Weib, was schert mich Kind,
Ich trage weit besser Verlangen;
Laß sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind -
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!

Gewähr mir, Bruder eine Bitt':
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab mich in Frankreichs Erde.

Das Ehrenkreuz am roten Band
Sollst du aufs Herz mir legen:
Die Flinte gib mir in die Hand,
Und gürt' mir um den Degen.

So will ich liegen und horchen still,
Wie eine Schildwach', im Grabe,
Bis einst ich höre Kanonengebrüll
Und wiehernder Rosse Getrabe.

Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab -
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen!"

Du bist wie eine Blume (op.25-24)

Du bist wie eine Blume,
So hold und schön und rein;
Ich schau' dich an, und Wehmut
Schleicht mir ins Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände
Aufs Haupt dir legen sollt,
Betend, daß Gott dich erhalte
So rein und schön und hold.